In den letzten Monaten erzählte mir eine Freundin mehrfach, dass sie in manchen Situationen mit ihrem Partner regelrecht verstummt. Mir passiert das auch bisweilen, und ich habe mich gefragt, was es damit auf sich hat.

Aus meiner Sicht kommt in solchen Situationen unsere gesunde Scham zum Zuge. Scham ist ein regulierendes Gefühl. Es zeigt sich unter anderem, wenn wir spüren, dass unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden (können). Scham fungiert als Torwächter. Fühlen wir uns sicher und geliebt, öffnen wir unsere Tore weit und können es riskieren, verletzlich zu sein. Ist das Gegenteil der Teil, warnt uns die Scham vor Verletzung.

Dieses Verstummen geht in der Regel mit einem Abbruch des Augenkontakts einher. Ich habe mich selbst beobachtet, wie ich dann den Kopf wegdrehe. Ich spüre in diesen Momenten meinen Schmerz oder meine Enttäuschung sehr deutlich, und diese ist dann so groß, dass ich nicht länger will, dass mein Gegenüber meine Gefühle sieht.

Botschaft unserer Scham

Die Botschaft unserer Scham ist deutlich.

“Hier gibt es für dich grad nichts zu holen.”

“Es ist zwecklos.”

“Hier kannst du grad nicht landen.”

Das klingt zwar deprimierend (und ist es auch), aber eigentlich tut uns die Scham einen Gefallen. Dass ich verstumme (und tatsächlich fühlt es sich so an, als sei mein Mund nicht länger funktionsfähig), ist ein Zeichen meines Körpers, dass es besser ist, es nicht weiter zu versuchen.

Schließlich äußern wir Bedürfnisse oft auch verbal.

Luken dicht

Doch wenn unser System erstmal erkannt hat, dass die Zeichen auf Erfüllung schlecht stehen, werden alle Luken geschlossen. Das Herz. Der Körper (Zusammensinken). Der Blick. Und eben auch die Sprache. Der Fluss dessen, was wir (mit)teilen, versiegt schlagartig.

Wenn du wieder mal verstummst, achte genau auf deine Bedürfnisse. Was brauchst du gerade, und was scheint unerreichbar? Was wünschst du dir? Was wagst du nicht zu sagen, aus Angst vor Zurückweisung? Was wird dir verweigert, oder worauf kann dein Gegenüber nicht angemessen reagieren? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Nimm deine Gefühle wahr. Deine Körperempfinden. Beobachte dich selbst.

Erlaube dir den Rückzug

Erlaube dir den Rückzug. Auch Muscheln klappen bei Gefahr zu. Erlaube dir, Bedürfnisse zu haben. Sogar wenn sie nicht erfüllbar scheinen.

Und mach dir klar, dass es andere Menschen oder Situationen gibt, in oder bei denen du besser landen kannst.

Hör auf deine Scham. Sie hat eine Botschaft für dich.