Ich sagte es schon an anderer Stelle: es gibt ein mächtiges Gegenmittel gegen Scham. Und das ist ein Gefühl von Verbundenheit. Dies macht besonderen Sinn, wenn wir uns erinnern, was Scham ist.

Scham ist zuallererst ein “normales” menschliches Gefühl. Es steuert die Intensität unseres Austauschs, den wir mit unserer Umwelt haben. Erleben wir unsere Umwelt als eher feindlich oder ablehnend, ziehen wir uns zurück. Ist unsere Umwelt willkommen heißend und fördernd, fühlen wir uns sicher und öffnen uns weit.

Scham kommt ins Spiel, wenn wir uns nicht sicher und willkommen fühlen. Wenn wir das Gefühl haben, etwas falsch gemacht zu haben. Gegen Regeln verstoßen zu haben. Wenn wir Kritik, Ablehnung, Verletzung erwarten. Darauf reagieren wir in der Regel mit Angst.

Verbundenheit

Wie kann da Verbundenheit das Gegenmittel sein, wenn wir genau die in unserer Situation nicht gefunden haben?

Darauf gibt es zwei Antworten: eine innere und eine äußere.

Zum einen können wir dafür sorgen, dass wir uns mit uns selbst verbinden. Durch Meditation, Einkehr, achtsame Bewegung, ein waches Bewusstsein.

Zum anderen können wir uns auf die Suche nach Verbundenheit machen. Oft ist die nicht ohne weiteres in unserem bekannten Umfeld zu finden. Manchmal müssen wir unsere Fühler weiter ausstrecken. Neue Menschen suchen. Neue Gruppen.

Manchmal ist der erste Mensch, der uns wieder ein Gefühl der Verbundenheit gibt, ein Therapeut. Manchmal ist es ein Tier.

Entscheidend ist, dass sie unsere Angst vor Verlassenheit mildern.

Kraft der Gedanken

Wir können uns auch Verbundenheit vorstellen. Wenn mir eins in den letzten Monaten klar geworden ist, so ist es die Einsicht, dass unser Geist, unsere Vorstellungskraft vielleicht unser stärkster Verbündeter – oder unser schlimmster Feind – ist.

Es liegt an uns, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wohin wir uns wenden. Dieselben Dinge immer und immer wieder erfolglos mit den gleichen Menschen zu probieren, führt uns sicher nicht ans Ziel. Jemand Kluges sagte einmal, wir könnten ein Problem nie in dem Rahmen lösen, in dem es entstanden ist. Wir müssen aus dem Rahmen heraustreten. Neue Dinge, neue Menschen, neue Situationen hineinbringen.

Denn dies gibt uns die Chance auf neue Erfahrung.

Ich denke auch, dass die letzten Monate uns – bisweilen schmerzhaft – daran erinnert haben, wie existenziell wir einander brauchen. Das gilt auch und gerade für Körperkontakt.

Wahlfamilie

Ich kann mit Stolz verkünden, dass ich heute meine erste Meditation aufgenommen habe. Und in dieser Meditation geht es um genau diese Verbundenheit. Mit den richtigen Menschen. Mit deiner Wahlfamilie.

Hör doch mal rein!

Du bist nicht allein - Meditation zur Selbstheilung