Vom Schmerz, nicht gesehen zu werden

Ich weiß nicht, wie es euch gerade so geht – aber für mich war die letzte Zeit wieder einmal intensiv. Das ist wohl immer der Fall, wenn jemand in unsere Kernwunde sticht. Für mich ist diese Kernwunde, nicht gesehen – und entsprechend auch nicht verstanden – zu werden. Mir ist schon länger klar, dass ein Aspekt unserer Scham-Epidemie Unterstellungen sind. Oder anders gesagt: Annahmen. Es nicht genug zu versuchen. Eine böse Absicht zu haben. Etwas absichtlich getan zu haben. Das schmerzt. Aber so richtig. Denn die wenigsten Menschen handeln aus böser Absicht. Ich bin überzeugt, dass wir alle in der Regel unser Bestes versuchen. So verkappt das auch manchmal daher kommen mag. Eines wird mir jedoch immer deutlicher: vertrauensvoller Austausch ist nur in einem Gefühl von Sicherheit möglich. Dort, wo ich damit rechne, kritisiert oder verurteilt zu werden, tue ich einen Teufel, Fehler oder Schwächen zuzugeben. Alles andere wäre Kamikaze. [...]